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Michaela Vidlakova
Zeitzeugin der Verbrechen an Millionen
ein Bericht der 7B

Am Donnerstag, dem 28. September 2017 hatten wir – die 7. und 8. Klassen unserer Schule – die große Ehre, eine Zeitzeugin des Holocausts kennenzulernen und von ihrer Leidensgeschichte zu erfahren.

Michaela Vidlakova wurde im Jahr 1936 in eine Prager jüdische Familie hineingeboren und wuchs als einzige Tochter einer Lehrerin und eines leitenden Angestellten einer Pelzfabrik auf. Sie verbrachte ihre frühe Kindheit wohlbehütet in einem bürgerlichen Umfeld und erlebte vonseiten ihrer Mutter zwar eine sehr strenge Erziehung, durfte jedoch zunächst ein vollkommen sorgloses Kind sein.

Mit dem Einmarsch der Nazis im Jahr 1939 sollte sich dies plötzlich von Grund auf ändern. Zuerst schleichend und dann immer schneller wurde die jüdische Bevölkerung Prags ihrer Bürger- und Menschenrechte beraubt und immer weiter von der übrigen Gesellschaft abgeschottet und ausgegrenzt. Als Kleinkind, das sie damals war, bekam sie den tatsächlichen Ernst der Lage zu Beginn natürlich nicht mit, doch spätestens als sie bemerkte, dass die tschechischen und deutschen Kinder nicht mehr mit ihr spielen wollten oder durften – da blieben nur mehr die Friedhöfe als Spielplätze – , erkannte auch sie, dass etwas ganz und gar nicht stimmte. Als Jude musste man den Judenstern tragen. Frau Vidlakova erzählt in ihrem Vortrag, dass sie den Stern heute sogar freiwillig trägt.

Im Alter von fünf Jahren wurde sie gemeinsam mit ihren Eltern ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert und verbrachte dort Jahre bis zum Ende des Kriegs und der Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten im Jahr 1945. Sie wurde von ihren Eltern getrennt und in ein überfülltes Kinderheim gebracht, wo trotz eines Verbots unterrichtet wurde. Tagtäglich litt sie Hunger, musste sich ständig von ihren Freunden trennen, sah ihre Mitgefangenen leiden und sterben. Erkrankt an Typhus und Hepatitis A war sie längere Zeit im Krankenhaus, wo sie einen Waisenjungen aus Berlin kennenlernte, von dem sie Deutsch lernte.

Ihre Mutter wurde als Kinderbetreuerin eingesetzt und da Zimmerleute fehlten, gab sich ihr Vater als Handwerker aus. Diesem Umstand sowie einer Reihe weiterer unglaublicher Zufälle verdankte die Familie das Überleben. Ihre Geschichte hätte, so wie die der sechs Millionen ermordeten Juden, in Auschwitz, Mauthausen, Dachau oder einem der anderen Vernichtungslager enden können.

Michaela Vidlakova hat überlebt und möchte ihre Geschichte mit uns, mit der Jugend teilen, denn es liegt an uns, sicherzustellen, dass sich etwas derart Grausames und Unmenschliches nie mehr wiederholt. Gleichzeitig appelliert sie an uns, das Leben, so wie wir es leben, zu schätzen.

(Fotos: Wolfgang Dietrich, Gabriele Eder-Lindinger)


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