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Ethik der Tierrechte

In Zeiten, in denen Rinder geschlachtet werden, weil sie vorher gezwungen wurden, als Vegetarier ihre eigenen zu Mehl verarbeiteten Artgenossen zu fressen, ist die Frage nach den Rechten der Tiere naheliegend. In einer klassenübergreifenden Veranstaltung wurde zu diesem Thema Herr MMag. Dr. rer. nat. Martin Balluch zu einem Vortrag eingeladen. Durch seine Forschungstätigkeit als Assistent an den Universitäten Heidelberg und Cambridge kennt er den deutsch- und englischsprachigen Diskurs zur Philosophie der Mensch-Tier-Beziehung. Die Kosten für die Veranstaltung übernahm dankenswerter Weise der "Verein gegen Tierfabriken".

SchülerInnen der 8ABC hörten zunächst eine Zusammenfassung der Tierproblematik der letzten 2000 Jahre, von Aristoteles Meinung über Descartes Versuche an lebenden Tieren, die seiner Überzeugung nach nur wie Apparate funktionieren und daher kein Mitleid beanspruchen dürfen, bis hin zu sozialdarwinistischen und behavioristischen Positionen, dass der Mensch die Krone der Schöpfung ist, der Stärkere sich durchzusetzen hat und man Tieren nicht das gleiche Schmerzempfinden zusprechen kann, weil sie keine Sprache besitzen und nur durch sie ein diffiziles Gefühlsleben möglich ist. Danach wurde die modernere Sicht präsentiert: der Mensch ist nur einer von vielen Versuchen der Evolution, der Schimpanse z.B. mit dem Menschen enger verwandt als mit dem Orang Utan. Sie können erstaunlich viel von der menschlichen Sprache und Symbolik lernen und haben Selbsterkenntnis, d. h. sie erkennen sich z. B. in einem Spiegel selbst, äußern eigene Wünsche usw. Trotzdem werden sie auf engsten Raum in Österreich gehalten, um für Experimente (für die AIDS-Forschung) gequält zu werden.

Der Vortragende nahm als bekennendender Vegetarier und Tierschützer klare Position gegen jede Art der Tierquälerei und ihrer Rechtfertigung. Das traf auf einigen Widerspruch im Publikum, doch wurde zunächst auf eine Diskussion am Ende des Vortrages verwiesen. Weiter ging es im Vortrag mit der Darstellung der Rechtslage der Tiere. Seit 1988 sind Tiere (§285a ABGB) keine Sachen mehr, man kann also wegen Tierquälerei belangt werden, wenn man sein Auto absichtlich zerkratzt nicht. Tiere sind aber keine Rechtspersonen, d. h. sie können sich auch nicht vertreten lassen, man kann nur klagen, dass es einen stört, dass ein Tier gequält wird, nicht aber, für das Tier Klage einreichen. Da es juristisch gesehen aber nur Personen und Sachen gibt, sind Tiere derzeit im undefinierten Bereich. Die durch Tierschützer sensibilisierte öffentliche Meinung ermöglicht Druck auf Politiker, die aber von der Wirtschaft ebenfalls unter Druck gesetzt werden. So entstehen Gesetze, die Legebatterien in Österreich in all jenen Bundesländern verbieten, die ohnedies noch nie Hühnerfarmen hatten. In Südtirol dürfen keine Tiere für Experimente in Labors gequält werden, es gab und gibt aber sowieso keine.

Nach so vielen Fakten freuten sich die meisten Teilnehmer schon auf die Diskussion, doch war die Zeit schon ziemlich vorgerückt und der Vortragende nicht an Konfrontationen interessiert. Der Einwand, dass Tiere auch Tiere essen, ob man ihnen das aus ethischen Überlegungen nun auch abgewöhnen sollte, wurde "überhört", dafür wurde klar erklärt, dass man eine gesunde Ernährung gänzlich frei von tierischen Produkten günstig und gesund verwirklichen kann, das Gegenteil aber nicht.

Die Feedback-Runde in den Klassen ergab, dass die Veranstaltung Anklang gefunden hat, die Meinung des Vortragenden aber ungefähr so objektiv war wie die Werbung der Fleischhauervereinigung.

(Sieglinde Schütky, Michael Wildauer)

 


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